Meine Heimat
Meine Heimat mein Herz.

Das Jetzt im Hier.

Sterben ist überall,

mitten in den Sommer hinein.

Eine Schnecke nicht gesehen

darauf getreten - ein Leben ist aus.

Ach, nicht so schlimm, es gibt ja noch so viele.

Ein Krieg im anderen Land

Männer, Frauen, Kinder sterben.

Ach, nicht so schlimm, es gibt ja noch so viele.

Eine Blume abgerissen, nur so zum Spass,

verwelkt sie am Strassenrand.

Ach, nicht so schlimm, es gibt ja noch so viele.

Diese Schnecke,

dieser Mensch,

diese Blume

sind Teil des Universums.

Sie sind Teil eines Ganzen,

sind vielleicht ein unersetzlicher Freund gewesen.

Von denen gibt es nicht viele.

Ich bin nur ein kleiner Mensch.

Ich sehe nicht alle Schnecken.

Ich kenne nicht alle Kriege.

Ich kann die Blumen nicht retten.

Es ist ungewiss,

ob ich mich selbst retten kann.

 

Meine Heimat ist mein Herz.

Hier muss ich versuchen Ordnung zu halten.

Im Reinen zu bleiben

mich nicht verleiten zu lassen

weg von meinem Weg zu treten.

Ich bin nur ein kleiner Mensch im Universum.

Ich kann nicht alles richtig machen.

Das Jetzt im Hier

ist mir wichtig.

Mein Glaube hilft mir

das Sterben jeden Tag

jeden Tag auszuhalten.

Der Schmerz des Loslassens,

die Kraft weiter zu machen.

Ich bin hier.

 

Ich bin hier.

Es wäre so einfach nicht hier zu sein.

Aber ich bin hier.

Also,

schulde ich all den Lebewesen,

die nicht mehr blühen,

lachen, kriechen und lustige Sachen machen

mein Lachen

mein Blühen

meine Lebendigkeit.

Was immer ich gerade mache

ich bin hier

mit all meinen Schwächen

mit all meiner Unvollkommenheit

im Unvermögen

alles zu schaffen,

das ich von mir selbst erhoffe.

Und ich kann dich nicht beschützen.

Nicht vor Enttäuschungen bewahren

nicht für dich die Naturgesetze verbiegen.

Ich kann dich nur begleiten

mit meiner Lebensenergie.

Ich bleibe bei dir.

 

Ich bleibe bei dir.

Ist kein Versprechen.

Versprechen sind Ver – Sprecher.

Denen traue ich nicht.

Es ist nicht in der Natur

des Menschen vorgesehen,

Versprechen einzuhalten.

Es gibt so viel der Ablenkung,

die verhindert

Vorgenommenes durchzuziehen.

 

Ich habe so viel Hunger

auf das Leben

mit dir.

 

 

Mit mir

ist es mir nie langweilig.

Mit mir

bin ich nie einsam.

Ich verstehe mich

mit mir ganz toll.

Aber diese Beziehung

ist furchtbar anstrengend.

Nicht immer harmonisch

und schon gar nicht

immer einfach.

Denn ich bin ganz schön

anspruchsvoll.

Sabina Melchior

Aarau

6. Juni 2017