Vom Warten

 

Du kommst und gehst wie es dir gefällt.

Das ist deine Natur.

Du kommst immer auf leisen Sohlen

und hinterlässt kaum Spuren.

Ungebunden gehst du von hier

oft für unbestimmt Zeit,

bleibst doch in meiner Nähe.

Es ist süss,

zu warten auf dich,

wenn ich weiss,

du wirst kommen.

Es ist bitter,

vergebens zu warten,

wenn du dann nicht kommst.

Dazwischen gibt es viele Varianten,

alle Farben des Wartens, Hoffen, Ersehnen,

dein Kommen zu erbitten.

Das allerschönste Warten ist für mich,

wenn ich auf dein unausgesprochenes Wort zählen

und mich freuen kann auf dich.

Es ist auch mega schön,

wenn du nur kurz da warst

und mich im Glauben lässt

bald wieder zu kommen.

Dann entsteht eine Zeitspanne

der Vorfreude.

Dann bin ich aufgehoben,

ein Schmunzeln begleitet mich dann

durch die Stunden

zu dir hin.

Auch wenn ich genau weiss,

es ist vielleicht nur eine Illusion.

Für dich zählen solche Dinge nicht.

Du bist ein Realist.

Vielleicht kommst du und vielleicht dann eben auch nicht.

Erwartungsvoll bin ich dann hier ohne dich

doch immer du in meiner Gedankenmitte.

Vorfreude,

wie ich sie als Kind

kurz vor der Bescherung an Weihnachten fühlte.

Erwartungsvoll.

Aber ich weiss,

Erwartungen werden oft nicht erfüllt.

Du kommst und gehst wie es dir gefällt.

Du bist mir nicht verpflichtet.

Du bist frei von mir

und damit muss ich leben.

Du versprichst und vergisst

manchmal diese Versprechen.

Ich sehe es dir nach,

weil ich dich liebe.

Ich sehe es dir nach,

weil du frei von mir

und doch in meinem Leben.

Mein Leben bereicherst du mit einem Gefühl

der Wärme, des Vertrauens,

der Freundschaft rein

und auf keinen Fall bindend.

Das mag ein Widerspruch sein,

denn Freundschaft verpflichtet

in der Regel immer.

Doch von diesen Pflichten sprech ich hier nicht.

Denn ich weiss,

wenn ich dich brauch,

bist du da und zu Stelle,

da brauch ich nicht zu rufen.

Ich spreche hier von der Süsse

des Wartens,

wenn ich mit dir rechnen darf.

Das ist das Beste!

Wenn ich dich rufe,

folgst du meinem Rufen in der Regel nicht.

Das ist so deine Natur.

Und deine Natur mag ich sehr

auch wenn ich lernen muss

damit umzugehen.

Meinen beiden letzten Rufen

bist du unerwartet

ohne Zeit zu verlieren gefolgt.

Wie habe ich gestaunt.

Das muss ich aber nicht.

Es war einfach,

weil du es so wolltest.

Und das gefällt mir so sehr an dir,

du tust etwas nur,

weil du es willst.

Du weisst,

dass dein Kommen

immer ein Lächeln in mein Gemüt zaubert.

Ich bin dann eben verzaubert.

Und ich mag es nicht,

wenn du gehst.

Möchte dich halten

mit einem Satz,

einer Frage,

einem Gedanken.

Das ist meine ganze Kraft

gegen dein Gehen.

Und manchmal lässt du es zu,

gehst darauf ein,

bleibst ein wenig länger.

Dein Gehen mag ich nicht,

das stimmt.

Man kann es mir nicht verübeln.

Muss ich dann in kurzer Zeit

Abschied nehmen,

von einem Moment der Gemeinsamkeit

und mein Lächeln weicht mit dir,

bis ich alleine dann die Kurve kriege,

mich an etwas von dir erinnere,

das mich trägt.

Darum möchte ich dich gerne bitten,

lass mir einen Moment des Glücks,

einen Blick von dir,

eine liebe Geste,

eine kleine Neckerei zurück,

an die ich mich halten kann,

in meinem Warten

auf dich.

Sabina Melchior

18. Juli 2017 ca. 18.39h

 

Unterm Apfelbaum